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Gott in Suhl?

Bistum Erfurt

 

Gott wieder in Gespräch bringen, ihn ins Wort heben - "Gott in Suhl?" steht für eine Reihe von Gesprächen und Aktionen, die dies in der entkirchlichten Situation der Stadt Suhl auf den Weg brachten.

Gott in Suhl - LogoGott in Suhl - Kreuze auf dem SteinwegGott in Suhl - Kreuze auf dem SteinwegGott in Suhl - Kreuze auf dem SteinwegGott in Suhl - Kreuze auf dem SteinwegGott in Suhl - Kreuze auf dem SteinwegGraffitikunst zum Thema „Engel – füreinander da sein“; Foto: frankphoto.de
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Gott in Suhl - Kreuze auf dem Steinweg
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Gott in Suhl - Kreuze auf dem Steinweg
Gott in Suhl - Kreuze auf dem Steinweg
Gott in Suhl - Kreuze auf dem Steinweg
Graffitikunst zum Thema „Engel – füreinander da sein“; Foto: frankphoto.de

Die Stadt Suhl im Thüringer Wald galt zu DDR-Zeiten als besonders rot, man sprach vom „roten Suhl“. Sicher nicht die einfachsten Voraussetzungen für Christen, die hier auch heute in der Minderheit sind. Die katholische Kirche St. Kilian muss man ebenfalls zunächst entdecken. Sie steht am Rand der Innenstadt und ist erst auf den zweiten Blick als Kirche zu erkennen. Über Gott und Kirche wird so in Suhl nicht selbstverständlich geredet, für viele ist dies kein Thema – 85 % der Suhler gehören keiner Kirche an. Deshalb hatte sich Pfarrer Kramer vorgenommen, Gott wieder in Gespräch zu bringen, ihn ins Wort zu heben. Er antwortet daher auf die Frage, wie viele Menschen zu seiner Gemeinde gehören, nicht mit der Zahl der katholischen Christen, sondern: „40.000 Menschen gehören zur Gemeinde“, alle Einwohner der Stadt Suhl. Mit ihnen zusammen will er das Gottesgeheimnis entdecken, ähnlich wie Bischof Klaus Hemmerle es bereits 1983 mit Blick auf die junge Generation beschrieben hat: „Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.“

Um Gott in Suhl ins Gespräch zu bringen, wurden zahlreiche Aktionen gestartet, die meisten davon ökumenisch und/oder in Kooperation mit anderen gesellschaftspolitischen Institutionen. So wurde 2004 ein erster regionaler Kirchentag unter dem Motto „Kirche auf dem Markt“ veranstaltet, 2010 ein zweiter unter dem Motto „Steter Tropfen füllt das Glas“. 2006 wurde die Einkaufsmeile der Stadt zu einem Kreuzweg. Dafür wurden an den Laternenpfählen drei Meter hohe Holzkreuze aufgestellt, zu deren künstlerischer Gestaltung aufgerufen wurde. Auf einmal liefen die Menschen an diesem Kreuzweg vorbei, hatten vielleicht selbst daran mitgewirkt, mussten versuchen, ihren Kindern zu erklären, was es damit auf sich haben könnte. Auskunftsbereitschaft und -fähigkeit in Glaubensfragen nimmt in solchen Momenten einen Anfang – oder eben das Eingestehen darüber, wenig oder nichts sagen zu können.

Ebenfalls 2010 fand ein Gespräch mit Vertretern des öffentlichen Lebens rund um das Thema Glaube unter der Überschrift „Gott in Suhl?“ statt. Ein solches Thema hatte die Suhler bisher noch nie zusammenkommen lassen. Lokalpolitiker, Unternehmer, Lehrer und Musikschulleiter erzählten von ihrer persönlichen Sicht auf Gott und Glauben. Dafür müssen „die Unterschiedlichkeiten ausgehalten werden“, so Pfarrer Kramer. Auf eine abschließende Frage, was sich die Nichtchristen von den Christen in dieser Stadt wünschten, kam die spontane Antwort aus dem Publikum, es möge nicht die letzte Runde dieser Art gewesen sein.

Für Pfarrer Kramer kristallisierte sich in seinen Jahren in Suhl mehr und mehr die Notwendigkeit der Versöhnung als ein Charisma des Ortes heraus, besonders im Blick auf die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Dem wurde 2011 mit einem Friedensgebet, einem Gedenktag zur Bücherverbrennung, einem Gedenktag zum Mauerbau und zur Zensur in der DDR Rechnung getragen. Grundlegendes Thema dabei immer: Versöhnung. Zuletzt entstand in Suhl ein Graffiti-Kunstwerk zum Thema „Engel – füreinander da sein“. Dafür gestalteten 30 junge Künstler aus ganz Deutschland eine ehemals graue Betonwand an der Autobahnzufahrt nach ihren Ideen zu Engeln.

Missionarischer Gedanke

Die katholische Kirche in Suhl hat sich darauf eingelassen, neue pastorale Orte zu identifizieren und fruchtbar zu machen. Es werden Anknüpfungspunkte für das Evangelium gesucht und geschaffen, wo zuvor keine sichtbar waren. Kirche lebt in diesem Sinn den Charakter ihrer Proexistenz, ihr Dasein als „Zeichen und Werkzeug“. Die Erfahrungen, die mit einer solchen Art und Weise von Kirche-Sein gemacht werden, sind unterschiedlich, es finden sich Widerstände und Begeisterung. Durch die beschriebenen Aktionen werden nicht automatisch neue Pfarrmitglieder gewonnen. Darüber hinaus haben manche in der katholischen Gemeinde das Gefühl, vom Pfarrer vernachlässigt zu werden. Dennoch sieht der seine Aufgabe auch im Verkündigen des „hohen Liedes Gottes“ und im Säen außerhalb der Kirchenmauern. Er will es Gott überlassen, was daraus wächst.

Ansprechpartner/in

Pfarrer i.R. Joachim Kramer

(ehemals Katholische Kirche „Sankt Kilian“, Suhl)
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