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"Klagemauer"

 

 

der Justizvollzugsanstalt Freiburg

 

Die Klagemauer in Jerusalem gehört wohl zu den bekanntesten religiösen Stätten des Judentums. Juden schreiben Gebete, Wünsche, Bitten und auch Danksagungen auf und stecken die Zettel in die Ritzen und Spalten der Mauer. Dies hat Diakon Dr. Andreas Mähler, Gefängnisseelsorger in der JVA Freiburg, zu einem Projekt inspiriert, das die Gefangenen in ihrer Situation, mit ihren Klagen, aber auch Hoffnungen und Wünschen, in den Blick nimmt.

2016 gewinnt das Projekt den Sonderpreis des Bonifatiuspreises. Von Links: Jurymitglied Uta Raabe, Monsignore Georg Austen, Dr. Andreas Mähler, Phillip Ostertag, der Präsident des Bonifatiuswerkes, Heinz Paus, und Kardinal Reinhard Marx.Die Bilder der Gefangenen bringen auf künstlerischer Weise ihre Klage vor Gott.
2016 gewinnt das Projekt den Sonderpreis des Bonifatiuspreises. Von Links: Jurymitglied Uta Raabe, Monsignore Georg Austen, Dr. Andreas Mähler, Phillip Ostertag, der Präsident des Bonifatiuswerkes, Heinz Paus, und Kardinal Reinhard Marx.
Die Bilder der Gefangenen bringen auf künstlerischer Weise ihre Klage vor Gott.

Unter dem Namen „Klagemauer“ verbirgt sich ein Projekt der katholischen Gefängnisseelsorger des Landes Baden-Württemberg. Die Konzeption erfolgte bereits im Herbst 2013 mit der Idee, dass Gefangene ihrer eigenen Klage Ausdruck verleihen können. Die Klagemauer besteht aus Bildern der Fotografin Gülay Keskin, die auf bausteinartige Holzblöcke montiert wurden. Das Bildprogramm will biblische Klagelieder und -psalmen auch für fremdsprachige Gefangene verdeutlichen. Die Klagemauer kann beim Kath. Seelsorger an der Justizvollzugsanstalt Karlsruhe ausgeliehen werden und kam auf diesem Weg im Herbst 2015 in die Anstaltskirche der JVA Freiburg. In einem Sonntagsgottesdienst formulierten die Gefangenen ihre persönliche Klage. Daraufhin konnten sie ihre Klage entweder laut vorlesen oder sie - ähnlich der Klagemauer in Jerusalem - in Mauerritzen verstecken. Im weiteren Gottesdienstverlauf wurden die vorgetragenen Klagen an einer Pinnwand ausgehängt. Darüber hinaus gab es sechs Themenabende mit einer Projektgruppe, die sich aus besonders interessierten Gefangenen bildete:

 1. „Was hat es mit der Klagemauer in Jerusalem auf sich?“ - Geschichte des Tempels und heutige Situation in Israel

2. „Gott, Dir bringe ich meine Klage“ - Kreativer Umgang mit der eigener Klage

3. „Gott, Du hörst Dir unsere Klagen an“ - Austausch- und Begegnungsabend mit dem diözesanen Männerreferat

4. „Gott, Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“ (Ps 30,12) - Liturgische Feier

5. „Gott, du hast unsere Klage in Bilder verwandelt“ - Klagebilder von Künstlern

6. Abend: „Gott, du hast unsere Klage in Musik verwandelt“ - Klageverarbeitung in der Musik

Nach Abschluss dieses Projektes erstellten Dr. Andreas Mähler (Projektleitung) und Philipp Ostertag (Praktikant) eine Dokumentation, die den Verlauf nachzeichnet und eine anonyme Zusammenstellung der persönlichen Klagen beinhaltet, denen die Teilnehmer in Wort und Bild Ausdruck verliehen haben. Auf sehr persönliche, eindrückliche, und authentische Weise legen diese - jede für sich - ein beeindruckendes Zeugnis ab von den unterschiedlichsten Gefühlen der Männer: Persönliche Verzweiflung und Hoffnung spricht daraus, Anspannung und Ruhe, innere Widersprüche und neue Orientierung.

Missionarischer Gedanke

Gefangene erleben den Gottesdienst in der Anstaltskirche als einen Ort, der den Vollzugsalltag unterbricht. Hier können sie sich unter Gottes Schutz stellen, ihr Leben und ihre Klage vor Gott bringen. Hier erfahren sie, dass sie bei Gott gut aufgehoben sind und in diesem geschützten Raum angenommen werden, wie sie sind. Das sind religiöse Erfahrungen die eine Beziehung zu Gott aufbauen können, die sie durch die Täler des Lebens tragen kann, denn niemand kann tiefer fallen als in Gottes Hand.

Ansprechpartner/in

Kath. Gefängnisseelsorge an der JVA Freiburg im Breisgau

Diakon Dr. Andreas Mähler

Telefon: 0761 2116-4531

E-Mail: andreas.maehler@jvafreiburg.justiz.bwl.de