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Text trifft Textil

aus Darmstadt

 

Nach was haben Menschen Hunger und Durst? Diese Frage hat die Projektgruppe „Sinnraum“ der Gemeinde St. Elisabeth in Darmstadt beschäftigt und an 12 sehr verschiedenen Orten (Gaststätten, Gefängnis, Altenheim u. a.) Menschen eingeladen, ihre Antwort auf Tischtücher zu schreiben oder zu malen.

Nach was haben Menschen Hunger und Durst? Ist es der Hunger nach Frieden, oder die Sehnsucht nach Erfüllung? Sehnen sich Menschen nach Zärtlichkeit, oder einfach nur nach einer Pizza?

Das Projekt „Text trifft Textil“ hat Tischtücher mit dem Aufdruck „Hunger und Durst nach …“ in acht verschiedenen Sprachen auf Tische an 12 verschiedenen Orten gelegt und die Menschen eingeladen, ihre Wünsche und Träume darauf zu notieren. Insgesamt wurden 28 Tischtücher auf fünf Gaststätten, zwei Gefängnisse, eine Gewahrsamseinrichtung für Ausreisepflichtige, eine Kantine, ein Altenheim, eine Schule und eine Behinderteneinrichtung verteilt.

Eine Woche lang lagen die Tischtücher in den Gaststätten und den Einrichtungen aus und die Gäste am Tisch konnten diese mit ihren Gedanken beschriften – was neben vielfältigen originellen Antworten auch zum einen oder anderen Tischgespräch über dieses Thema führte. Eine Woche später wurden vor der Kirche Tische mit allen beschriebenen Tischtüchern ausgestellt und luden nun die Passanten ein, vom Hunger und Durst anderer zu lesen, darüber ins Gespräch zu kommen oder auf einem weiteren Tischtuch ihre eigene Reaktion zu schreiben.

Bereichert wurden so nicht nur die Gespräche bei Tisch, sondern auch die Passanten, die die ausgestellten Tischtücher betrachteten. Anhand der Tischgespräche konnten sich die Betrachter in die Sehnsüchte von Menschen in der Gaststätte, aber auch solcher in Justizvollzugsanstalten, in Seniorenwohnheimen und Abschiebeeinrichtungen hineinversetzen.

Es wirft beispielsweise noch einmal ein ganz neues Licht auf das Leben in einer Justizvollzugsanstalt, wenn man sieht, dass die Menschen dort das Tischtuch mit dem Wunsch nach einem Frückstücksei und einem leckeren Kaffee, nach „Sonne ohne Ende“ und nach der Familie beschrifteten. Man fühlt sich in das Leben in einem Seniorenwohnheim oder einer Behindertenwohneinrichtung neu hinein, wenn man sieht, dass sich die Menschen dort bei Tisch „Gesundheit“, „Frieden in der Familie und der Welt“ sowie „Mehr Dankbarkeit und Zufriedenheit“ wünschten. Oder man wird mit der Frage nach Religion ganz neu konfrontiert, wenn Flüchtlinge in Abschiebehaft auf Englisch Hunger und Durst nach „one united world under one god“ (einer vereinigten Welt unter einem Gott) bekunden. Eine Gruppe koreanischer Touristen war derart begeistert, dass sie auf Koreanisch „Liebe und Freundschaft“ auf das noch unbeschriftete Tischtuch schrieben. In einem dritten Schritt wurden die Tischtücher auf den Altar gelegt und so mit ihrer Hilfe der Hunger und Durst der Menschen im Gottesdienst fürbittend vor Gott gebracht.

Missionarischer Gedanke

Mit der Aktion „Text trifft Textil“ will die Kirche in Darmstadt Menschen aus ganz unterschiedlichen Kontexten, auch solche, die sonst nichts mit Kirche oder Religion zu tun haben, an einem ganz alltäglichen Ort ansprechen. Am Anfang stand die Frage, zu welchen Anlässen sich Menschen heute mit Sinnfragen beschäftigen. Und so kam die Idee auf, die Frage dort zu stellen, wo Menschen heute ihrem Hunger und Durst nachgehen – nämlich beim Essen und Trinken.

Ansprechpartner/in

Angela Gessner
Gemeindereferentin
E-Mail

Links & Literatur

Weblinks

Website der Pfarrgemeinde St. Elisabeth, Darmstadt

Vorabbericht in der Tageszeitung „Darmstädter Echo“

Nachbericht in der Tageszeitung „Darmstädter Echo“